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Commerce, Taxonomie & SearchPerspective9 Min. Lesezeit

ERP-Kategorien sind noch keine Shopnavigation.

Warum interne Produktklassifikation, Shopnavigation, Filter und Landingpages getrennte Modelle benötigen – und wie sie kontrolliert verbunden werden.

In einem ERP oder PIM sind Produkte häufig bereits kategorisiert. Es liegt daher nahe, diese Struktur direkt für die Navigation des neuen Shops zu verwenden.

Das funktioniert technisch schnell – und erzeugt häufig eine Navigation, die intern logisch, für Kunden aber schwer verständlich ist. Interne Kategorien spiegeln Fertigung, Einkauf, Produktverantwortung, Baureihen oder buchhalterische Gruppen. Kunden suchen dagegen nach Anwendung, Problem, Branche, Kompatibilität oder Produktart.

Eine gute Commerce-Architektur trennt deshalb verschiedene Ordnungsaufgaben, ohne die vorhandenen Daten zu verwerfen.

Unterschiedliche Taxonomien erfüllen unterschiedliche Aufgaben

ERP-Klassifikation

Dient beispielsweise:

  • Materialwirtschaft,
  • Einkauf,
  • Buchhaltung,
  • Fertigung,
  • Zuständigkeiten,
  • Reporting.

PIM-Klassifikation

Dient häufig:

  • technischer Datenpflege,
  • Attributsets,
  • Variantenmodell,
  • Publikationskanälen,
  • Datenqualität.

Shopnavigation

Dient:

  • Orientierung,
  • Einstieg nach Nutzerintention,
  • Auffindbarkeit,
  • Sortimentsverständnis,
  • redaktionellen Schwerpunkten.

Filter und Facetten

Dienen:

  • Eingrenzung innerhalb einer Kategorie,
  • technischem Vergleich,
  • Kompatibilitätsauswahl,
  • schnellen Entscheidungen.

Suchindex

Dient:

  • Begriffen und Synonymen,
  • Fehlertoleranz,
  • Relevanz,
  • sprachlichen Varianten,
  • Verbindung von Produkt- und Contentinformationen.

Diese Modelle hängen zusammen, sind aber nicht identisch.

Die Kundenintention als Ausgangspunkt

Für die Shopnavigation sollte zunächst verstanden werden, wie verschiedene Zielgruppen das Sortiment betrachten.

Ein technischer Einkäufer sucht möglicherweise nach einer Norm oder Baureihe. Ein Gelegenheitskäufer beginnt mit dem Anwendungsfall. Ein Bestandskunde kennt eine Artikelnummer. Ein Servicetechniker sucht ein Ersatzteil für ein vorhandenes Gerät.

Daraus können mehrere Einstiegspfade entstehen:

  • nach Produktart,
  • nach Anwendung,
  • nach Branche,
  • nach Kompatibilität,
  • nach Marke,
  • nach Ersatzteilbezug,
  • über Suche und Direktnummer.

Die Hauptnavigation muss nicht alle Perspektiven gleichzeitig abbilden. Weitere Wege können über Landingpages, Filter und Suche unterstützt werden.

Interne Kategorien als wertvolle Eingangsdaten

Die Trennung bedeutet nicht, ERP-Kategorien zu ignorieren. Sie können wichtige Signale liefern:

  • technische Verwandtschaft,
  • verantwortlicher Geschäftsbereich,
  • Standardattribute,
  • erlaubte Varianten,
  • Vertriebsfreigabe,
  • regulatorische Anforderungen.

Über Mappingregeln werden interne Gruppen einer oder mehreren Commerce-Kategorien zugeordnet.

Beispiel:

ERP-Gruppe 4712 „Akkubetriebene Bohrsysteme"
       ↓
Shopnavigation „Werkzeuge > Akkuschrauber"
       ↓
zusätzlich Landingpage „Werkzeuge für den mobilen Einsatz"

Ein Produkt darf in mehreren Commerce-Kontexten erscheinen, ohne im ERP dupliziert zu werden.

Kategorien und Attribute gemeinsam modellieren

Eine Kategorie ist nicht nur ein Menüpunkt. Sie bestimmt häufig, welche Merkmale für Produkte sinnvoll sind.

Für „Akkuschrauber" können relevante Filter sein:

  • Spannung,
  • Drehmoment,
  • Akkukapazität,
  • Gewicht,
  • Bohrfutter,
  • Lieferumfang.

Für „Sägeblätter" sind andere Attribute erforderlich.

Daher sollte jede Commerce-Kategorie ein Attributprofil besitzen:

  • Pflichtmerkmale,
  • optionale Merkmale,
  • Filterfähigkeit,
  • Darstellungsreihenfolge,
  • Vergleichbarkeit,
  • Einheiten und Wertebereiche.

Das verbessert Datenqualität und Nutzererlebnis gleichzeitig.

Eine Suchmaschinen- oder Kampagnenlandingpage muss nicht zwingend als dauerhafter Punkt in der Hauptnavigation erscheinen.

Beispiele:

  • „Akkuschrauber für Metallbau"
  • „Werkzeuge für beengte Einbausituationen"
  • „Ersatzteile für Serie X"

Solche Seiten können Produkte anhand von Regeln oder kuratierten Zuordnungen zusammenstellen. Die Navigation bleibt übersichtlich, während spezifische Suchintentionen abgedeckt werden.

Wichtig ist, dass Landingpages nicht zu einer zweiten unkontrollierten Kategorielandschaft werden. Ihre Regeln und Produktzuordnungen müssen nachvollziehbar bleiben.

Filter brauchen normalisierte Daten

Ein Filter ist nur so gut wie die zugrunde liegenden Werte.

Wenn Leistung als „2,2 kW", „2200 W" und „2.200 Watt" gespeichert ist, entstehen unbrauchbare Auswahlwerte. Vor der Filterung müssen:

  • Einheiten vereinheitlicht,
  • Werte typisiert,
  • Bereiche definiert,
  • Synonyme normalisiert,
  • leere und unbekannte Werte behandelt werden.

Das zeigt die enge Verbindung von Taxonomie und Product Data.

Suche ergänzt die Navigation

Auch eine gute Navigation kann nicht jede Nutzerformulierung abbilden. Die Suche benötigt zusätzliche Informationen:

  • Synonyme,
  • alternative Produktnamen,
  • Artikel- und Herstellernummern,
  • typische Schreibfehler,
  • Anwendungsbegriffe,
  • alte Bezeichnungen,
  • Kompatibilitäten,
  • sprachliche Varianten.

Suchdaten dürfen teilweise in einem eigenen Modell gepflegt werden. Ein internes ERP-Feld muss nicht verändert werden, nur damit der Shop einen umgangssprachlichen Begriff versteht.

Governance verhindert Wildwuchs

Taxonomien verändern sich. Neue Produkte und Geschäftsfelder kommen hinzu, Marketing benötigt Kampagnenseiten und Fachbereiche wünschen zusätzliche Einstiegspunkte.

Ein einfacher Governance-Prozess sollte klären:

  • Wer darf neue Hauptkategorien anlegen?
  • Welche Kriterien rechtfertigen eine neue Ebene?
  • Wann genügt ein Filter oder eine Landingpage?
  • Welche Attribute werden für die Kategorie benötigt?
  • Wie werden bestehende URLs und Zuordnungen behandelt?
  • Welche Märkte und Sprachen sind betroffen?
  • Wie wird die Änderung getestet?

Dadurch bleibt die Navigation steuerbar, ohne jede Anpassung zu einem großen Projekt zu machen.

Nutzung beobachten und weiterentwickeln

Nach dem Launch liefern reale Daten wichtige Hinweise:

  • Welche Kategorien werden häufig betreten?
  • Wo brechen Nutzer ab?
  • Welche Filter werden verwendet?
  • Welche Suchbegriffe liefern keine Treffer?
  • Welche Produkte werden nur über direkte Suche gefunden?
  • Welche Landingpages führen zu passenden Interaktionen?

Taxonomie ist kein einmalig fertiges Organigramm des Sortiments. Sie entwickelt sich mit Nutzerverhalten, Sortiment und Märkten weiter.

Übertragbare Learnings

  1. 01Interne Klassifikation und Kundennavigation erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Sie sollten verbunden, aber nicht gleichgesetzt werden.
  2. 02Die Kundenintention bestimmt den Einstieg. Produktart, Anwendung und Kompatibilität können verschiedene Wege erfordern.
  3. 03ERP- und PIM-Kategorien bleiben wertvolle Signale. Mapping übersetzt sie in Commerce-Kontexte.
  4. 04Kategorien und Attributprofile gehören zusammen. Gute Filter benötigen ein fachlich sauberes Datenmodell.
  5. 05Landingpages sind kein Ersatz für Navigation. Sie decken spezifische Intentionen ab, benötigen aber Governance.
  6. 06Filter brauchen normalisierte Werte. Taxonomieprobleme sind häufig auch Datenqualitätsprobleme.
  7. 07Suche ergänzt die Navigation mit Sprache und Synonymen. Sie darf ein eigenes Modell besitzen.
  8. 08Reale Nutzung verbessert die Struktur. Kategorien und Filter sollten kontinuierlich beobachtet werden.

Die interne Produktstruktur soll in eine verständliche Commerce-Navigation übersetzt werden?

Wir verbinden ERP- und PIM-Klassifikation mit Shopnavigation, Attributprofilen, Filtern, Suche und Landingpages.

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